Ernährungsbranche setzte sich mit Gesellschaftserwartungen auseinander

Von Food und Society

Erstmalig im Jahr 2007 ausgerichtet, ist der foodRegio Trendtag zur Institution mit festem Termin im Kalender gereift. Immer im Februar treffen sich die Fachleute der Branche in Lübeck, um sich über ein Thema mit besonderer Relevanz auszutauschen. Rund 200 Besucher fanden sich in diesem Jahr beim 14. foodRegio Trendtag unter dem Motto "Food & Society" zusammen.

Drei spannende Key-Notes zeigten im Laufe des Vormittages aus unterschiedlichen Perspektiven auf, was die Gesellschaft heute bewegt und wie die Lebensmittelbranche darauf angemessen reagieren kann. In diesem Jahr führte Arne Schirra, Geschäftsführer Terheggen & Dethlefsen Food-Engineering, durch das Tagesprogramm und kündigte als ersten Key-Note-Speaker Dr. Philipp Hofstätter vom Zukunftsinstitut aus Frankfurt am Main an. In seinem Vortrag "Lebensstile – eine neue Perspektive auf gesellschaftliche Trends und Bedürfnisse" postulierte der Trendforscher vom Frankfurter Zukunftsinstitut eine alternative Sicht auf Kunden und ihre Bedürfnisse – und stellte fest, dass „Nahrung zunehmend zum Tool der Selbstverwirklichung wird.“ Neo-Hippie, Urban Matcha oder Moderne Nomaden stehen beispielhaft für insgesamt 18 Lebensstile, die das Zukunftsinstitut definiert hat. Mit der Individualisierung der Lebensläufe werden demografische Merkmale für Hofstätter als Deutungsgrundlage unzuverlässig. „Die trendbasierte und datengestützte Lebensstiltypologie eröffnet für Lebensmittelproduzenten einen neuen Blick auf Zusammenhänge und Lebenssituationen“, so der Business-Philosoph.

Immer im Februar treffen sich die Fachleute der Lebensmittelbranche in Lübeck, um sich über ein Thema mit besonderer Relevanz auszutauschen. © Thomas Wiese

Hofstätter zeigte auf, wie Lebensstile für Unternehmen und Organisationen greifbar gemacht werden können, um die jeweilige Zielgruppe differenziert zu betrachten. Unter Lebensstile versteht er prototypische Gruppen, die die Konsumenten anhand ihrer Motive, Einstellungen und Vorlieben in 18 Kategorien einteilen. Warum die klassische Zielgruppe vom Lebensstilansatz abgelöst werden sollte, verdeutlichte Hofstätter am Beispiel des Vergleichs von Kronprinz Charles mit dem Rockmusiker Ozzy Osbourne: „Wenn man die soziodemografischen Variablen der beiden betrachtet, erkennt man viele Gemeinsamkeiten: Beide stammen aus Großbritannien, sind im gleichen Alter, haben Kinder, sind geschieden und wohlhabend. Dennoch würde niemand auf die Idee kommen zu behaupten, die beiden seien Vertreter für ein und dieselbe Zielgruppe, weil sie völlig verschiedene Lebensstile pflegen.“ Mit dem datengestützten Lebensstilansatz bekomme der Lebensmittelhersteller ein tieferes Verständnis für die Kunden – „hier wird der Megatrend Individualisierung spürbar“, so Hofstätter.

Martin Schüring, Leiter Innovation am ttz in Bremerhaven, betrachtete während der zweiten Key-Note kritisch den Zusammenhang von Ethik, Verantwortung und Innovation in der Lebensmittelbranche. Er stellte dabei besonders die globalen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen heraus. Den ersten Teil des Trendtages rundete anschließend die Social-Media-Expertin Anouk Jans mit der Key-Note "Fünf Schritte zu einer profitablen Social Media Strategie" ab. Die 25jährige Hamburgerin startete mit 13 Jahren ihren Modeblog "Anouk on the brink" und wurde damit zur jüngsten Modebloggerin Deutschlands. Es folgten zahlreiche Interviews und Fernsehauftritte. Die Zeitschrift "Brigitte" machte sie 2013 zum Gesicht ihrer Kampagne "Generation Frau". Heute arbeitet Jans als Kreativdirektorin, entwickelt Werbekampagnen und bringt Kreative für Projekte zusammen. Sie verriet in ihrem Vortrag zahlreiche Tipps und Tricks rund um das Thema Social Media und zeigte am Beispiel der Lübecker Konditorei Junge auf, wie die Unternehmen der Lebensmittelbranche sich Facebook zu eigen machen können.

Rund 200 Besucher fanden sich in diesem Jahr beim 14. foodRegio Trendtag unter dem Motto "Food & Society" zusammen. © Thomas Wiese
Nach der kulinarischen Mittagspause ging es dann im Fachforum "Trends und Innovationen" um Design Thinking, ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Eine Besonderheit in diesem Jahr war die Zweiteilung dieses Fachforums. Die Teilnehmer konnten sich entweder in einem vom HanseLab angeleiteten Workshop mit der Methodik beschäftigen oder ein Umsetzungsbeispiel der Stern-Wywiol Gruppe anhören, das von Jan-Willem Böttjer präsentiert wurde. Das parallel stattfindende Fachforum "Verpackung" behandelte in zwei Vorträgen verschiedene Aspekte. Zum einen ging es um Ansatzpunkte zur Entwicklung nachhaltiger Verpackungslösungen und zum anderen um intelligente Verpackungen mittels 360 Grad-Ansatz in der digitalen Medienproduktion. Die Speaker in diesem Fachforum waren Hanno Kleist von H.O. Persiehl, einem Packungsspezialisten aus Hamburg für die Tabak-, Süßwaren- und Kosmetikindustrie, und Jürgen Hein von LSD aus Düsseldorf. LSD ist eines der führenden deutschen Unternehmen im Bereich Verpackungsentwicklung, Werbemittel- und Medienproduktion. Nach den Fachforen versammelten sich die Teilnehmer rund um die Junge Kaffeebar, um den Tag Revue passieren zu lassen und die gewonnenen Eindrücke in weiteren Gesprächen noch einmal zu vertiefen.

Titel LT

Den Beitrag finden Sie in der Ausgabe 5/20 von LEBENSMITTELTECHNIK, die am 30. April erschienen ist.

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